Wirksame Rechtsrecherche ist das Fundament solider juristischer Arbeit. Ob Sie einen Prozess vorbereiten, Verträge entwerfen oder Mandantschaft beraten: Die Methoden, mit denen Sie Rechtsquellen finden, bewerten und anwenden, wirken sich unmittelbar auf die Qualität Ihres Ergebnisses aus.
Moderne Rechtsrecherche geht längst über das Griffbereithalten von Büchern hinaus. Heutige Juristinnen und Juristen müssen sowohl die klassischen dogmatischen Methoden als auch aktuelle KI-gestützte Werkzeuge beherrschen.
1. Dogmatische Rechtsrecherche
Die dogmatische Rechtsrecherche ist der Grundstein der anwaltlichen Praxis. Sie besteht darin, primäre Rechtsquellen systematisch auszuwerten, also Gesetze, Verordnungen und Rechtsprechung, um das geltende Recht auf eine konkrete Frage anzuwenden.
Die dogmatische Methode ist das tägliche Handwerkszeug der Recherche und bildet die Grundlage der meisten juristischen Analysen und Argumentationen.
- Erfassen Sie die Rechtsfrage und zerlegen Sie sie in recherchierbare Bestandteile.
- Beginnen Sie mit Sekundärquellen wie Kommentaren und Aufsätzen, um das Umfeld zu erschliessen.
- Gehen Sie dann zu den Primärquellen über: Gesetze, Verordnungen und Rechtsprechung.
- Prüfen Sie mit Zitierdiensten wie Shepard's oder KeyCite, ob Entscheide noch massgeblich sind.
2. Empirische Rechtsforschung
Die empirische Rechtsforschung geht über das geschriebene Recht hinaus und untersucht, wie Recht in der Praxis wirkt. Sie nutzt quantitative und qualitative sozialwissenschaftliche Methoden, um Rechtsphänomene zu erforschen: Verfahrensausgänge, das Verhalten von Rechtsvertretungen, die Wirkung von Gesetzen.
Dieser Ansatz ist besonders wertvoll in der Politikberatung, in der Gesetzgebung und in Verfahren von grosser Tragweite, wo das Verständnis realer Muster die Strategie prägt.
- Statistische Auswertung von Entscheiden, um Muster in der Rechtsprechung zu erkennen.
- Befragungen und Interviews mit Praktikerinnen und Praktikern oder betroffenen Gruppen.
- Fallstudien zur Umsetzung einzelner Gesetze oder Verordnungen.
3. Rechtsvergleichende Recherche
Die rechtsvergleichende Recherche untersucht Rechtsordnungen, Regeln und Institutionen über Jurisdiktionen hinweg. Sie ist unentbehrlich für internationale Transaktionen, grenzüberschreitende Verfahren und für das Verständnis, wie verschiedene Staaten gemeinsame Rechtsfragen lösen.
Für international tätige Kanzleien gewinnt die Rechtsvergleichung an Bedeutung, weil Mandantschaften in mehreren Rechtsordnungen zugleich tätig sind.
4. KI-gestützte Rechtsrecherche
KI-gestützte Rechercheinstrumente verändern Tempo und Reichweite der Rechtsrecherche. Plattformen mit Sprachverarbeitung und retrieval-augmented generation (RAG) fördern einschlägige Entscheide, Gesetze und Sekundärquellen weit schneller zutage als manuelle Verfahren.
KI-Werkzeuge verlangen jedoch sorgfältige Überprüfung. Sie können Fundstellen erfinden oder Nuancen übersehen, die eine erfahrene Person erkennen würde. Am besten verbindet man die Effizienz der KI mit fachlicher Durchsicht durch Menschen.
- Setzen Sie KI für erste Übersichten zur Rechtsprechung und zur Problemerkennung ein.
- Überprüfen Sie von der KI erzeugte Fundstellen stets in massgeblichen Datenbanken.
- Beurteilen Sie Gewicht und Einschlägigkeit der Quellen mit eigenem Urteil.
- Nutzen Sie KI, um lange Entscheide zusammenzufassen und Kernaussagen rasch zu erfassen.
5. Rechtshistorische Recherche
Die rechtshistorische Recherche verfolgt die Entwicklung von Rechtsfiguren, Gesetzen und Institutionen über die Zeit. Sie ist unentbehrlich in Verfassungsverfahren, bei der Gesetzesauslegung und dort, wo die Entstehungsgeschichte den Ausschlag gibt.
Wer nachvollzieht, wie sich eine Norm entwickelt hat, erkennt oft die Absicht hinter den geltenden Bestimmungen. In unklaren Fällen kann das entscheidend sein.